Manche Lieder liebt man und vergisst sie dennoch. Sie sind weg, einfach nicht mehr da. Gelöscht aus unseren Gedanken. Doch dann hört man unvermittelt die ersten Töne und es ist wie heimkommen. Erinnern. Und man weiß, man wird dieses Lied immer lieben und so oft man es auch vergisst, irgendwann wird es einen wieder finden.
Eingekeilt zwischen langhaarigen Männern, Schweißgeruch und schwarzen Shirts. Ich in lila. Irgendwo mittendrin. Dann geht es los. Das Konzert wird für eine Live-DVD aufgenommen, die Band gibt alles. Wir auch, vielleicht sogar noch mehr. Erst ein wenig schüchtern, aber dann hat der Rhythmus mich. Ich kann mich treiben lassen, springe, schreie, singe und wundere mich wie gut ich die Texte beherrsche
In meinem Kopf sind Spiegelscherben, taumelnd stürzte ich ins Verderben. Zwischen Tod und ewig leben muss es etwas drittes geben.
Und dann ist da noch dieser Mensch, wir sind uns nicht einig ob Mann ob Frau. Auf jeden Fall faszinierend. In dem Hemd mit der Krawatte sehr androgyn. Schön. Irgendwie erhaben. Elegant. Der Jüngling entpuppt sich als Frau. Es macht nichts, meine Blicke gleiten dennoch immer wieder zu ihr. Dann ist es vorbei und ich bin verschwitzt. Heiser. Meine Füße Schmerzen. Ich kann nicht mehr. Aber ich bin glücklich. Danke Subway to Sally. Ich habe alles von euch genommen und alles von mir gegeben.
Ich danke euch für euer Interesse und möchte euch heute eine Sängerin vorstellen, von der ihr vermutlich noch nie gehört habt, deren Geschichte euch aber hoffentlich ebenso belustigt und beeindruckt wie mich.
1868 in den USA geboren, hegte sie schon als Kind den Traum Sängerin zu werden, konnte diesen aber zunächst nicht verwirklichen, da sowohl ihr Vater und später dann ihr Ehemann nicht bereit waren sie dabei zu unterstützen. Die Ehe wurde geschieden, der Vater verstarb und hinterließ viel Geld. Der Karriere stand nun nichts mehr im Weg. Als reiche Erbin konnte sie sich Theater und Bühnen kaufen und wurde eine wahre Diva, die Arien schmetterte und der es an Publikum nicht mangelte. Sie flanierte in aufwändigen Roben über die Bühne und warf mit großen Gesten Blumen in ihre Zuhörerschaft. Was das Besondere an dieser Frau ist, fragt ihr euch?
Florence Foster Jenkins konnte nicht singen.
Die Kritiker zerrissen sie, machten sie nieder und hatten im besten Fall Ironie für sie übrig. Schon bald verbreitete sich ihr Ruf als schlechteste Sängerin im ganzen Land. Und Florence? Sie sang. Die Menschen verlangten nach mehr Auftritten, aber sie bestimmte wann sie vor wem singen wollte, wem sie gestattete ihren schiefen Tönen zu lauschen. Wenn die Menschen über sie herfielen, interpretierte sie es als Gehässigkeit und Eifersucht, Neid auf ihr Talent; hatten sie Lachtränen in den Augen, sah sie es als Zeichen ihrer Rührung. Sie selbst stellte sich mit anderen großen Diven ihrer Zeit auf eine Stufe und stand ihnen an Berühmtheit in nichts nach. Florence war keine Sängerin, aber eine Heldin. Meine Heldin. Sie lebte ihren Traum, über die ihr von der Natur gesetzten Grenzen hinweg. Ungeachtet der Kritiker. Und dafür liebe ich sie.
Mag sein, dass sie eine gestörte Wahrnehmung hatte oder einfach nur verrückt war, aber ich wünsche uns allen ein bisschen von ihrem Wahnsinn, dem grenzenlosen Vertrauen in unsere Fähigkeiten und das unbeirrte Umsetzen unserer Lebensträume, was auch immer man uns in den Weg legen mag.
„People may say I can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing.“ Florence Foster Jenkins
Wer sich von ihrem Nicht-Können überzeugen möchte: